
Das UG 2002 ist und bleibt eine Katastrophe. Die ÖVP wollte den Unis “Automie” frei von jeglichen politischen Einfluß geben und sie zu Unternehmen für den Markt der Bildungshungrigen machen. Nur hat sie vergessen, daß so ein “Bildungsunternehmen” auch ordentlich Geld braucht, um nicht in eine neue Abhängigkeit der Drittmittelfinanzierung zu kommen. Unternehmerische Freiheit bedeutet eben nicht Humboldt`sche Freiheit, ein Mehr des einen bedingt ein Weniger des anderen. Aus der schlechten Finanzierung erfolgt auch die Bolognastruktur (Bakk-Master), eine einzige große Freiheitsberaubung für alle Studenten! Sie ist nichts anderes als ein Schnellsiederkursus für beschäftigungsfähige “Akademiker”, man hat schnell gemerkt: als Fachhochschule kommt die Uni doch billiger.
Was bringt nun die Novelle 2009? Der Unirat (extern besetzt), ein “Aufsichtsrat” , wird weiter gestärkt, der Senat (uni-intern besetzt) weiter geschwächt, die Rektorswiederwahl wird extrem erleichtert. Somit werden die Unis immer mehr extern gesteuert, nicht vergessen sollte man, das BM Hahn sogar vorgehabt hat, seine eigenen Leute (durch seine Kompetenz als zuständiger Minister) in den Unirat zu schicken (macht jetzt die jeweilige Bundesregierung). Schauen so politisch unabhängige Universitäten aus? Zudem wird durch die Novelle eine Eingangsphase im Studium definiert, die auf jeden Fall positiv abgeschlossen werden muß, um weiter studieren zu können. Also haben wir bald Zugangsbeschränkungen! Diese gelten dann auch in vielen Masterstudien, heißt also, man hat mit geeigneten Bakkabschluß nicht automatisch mehrere Masteroptionen. Da kann man brav der berühmten “Bolognamobilität” auf Wiedersehen sagen. Der einzige Zweck ist auch hier eine Beschleunigung der Akademikerproduktion gleichsam einer erhöhten Durchlaufzeit in der industriellen Produktion, damit sinken ja bekanntlich die Stück-(Studenten-)kosten. Wissenschaft, Lehre und Studium brauchen aber Freiräume, um kritisches Denken und persönliche Entwicklung zu fördern. Das war immer DAS Argument der Unis gegenüber den FH`s!
Und was fällt dazu der “Servicefraktion” AG ein. GARNICHTS! Originalzitat auf der AG-Homepage vom AG-Chef Samir Al-Mobayyed: “Wenn sich der VSStÖ hier lauthals beschwert, sollte er zuallerst einmal in die eigene Parteizentrale zurückgehen und sich dort aufregen. Denn anscheinend gibt es auch in der Mutterpartei SPÖ Zustimmung zu diesem Vorschlag von BM Hahn”. Erstens darf man nicht vergessen, aus wessen Parteizentrale die ganze UG-Misere und die Novelle stammt und zweitens: machen wir doch, lieber Samir, und zwar schon lange (siehe hierzu www.unbeschraenktstudieren.at). Leider werden wir mit dieser von den Servicefraktionen als unnötig verschrienen “Allgemeinpolitik” ziemlich alleingelassen. Drucker aufstellen und bunte Broschüren drucken is halt leichter als über die Existenzgefährdung einer freien und unabhängigen Uni zu diskutieren!
Hiasi Katschnig





